US-Touristen kehren Europa den Rücken
Ob Paris, Wien, London oder Bayern: Sie alle bekommen in diesem Jahr das gleich Phänomen zu spüren: Amerikanische Touristen bleiben aus. Werden in manchen Regionen sie selbst nicht vermisst, so doch zumindest ihre gut gefüllten Geldbörsen.
Pilgerten in den Vorjahren noch große Besucherscharen aus den Vereinigten Staaten ins "alte" Europa, so verzeichnen die Touristenbranchen in diesem Jahr massive Einbrüche. Über die Gründe wird von Themse bis zum Tiber heftig gemutmaßt: Sind es die Nachwehen des 11. September, ist es der Streit über den Irak-Krieg oder ist der Euro einfach zu stark?
In Frankreich macht die Abwesenheit der Amerikaner schon Schlagzeilen. Die Zeitung "Le Monde" druckte eine Karikatur, auf der zwei Franzosen unter einer Palme liegen. "Kein Scherz, aber ich habe einen Amerikaner gesehen!", sagt der eine. "Lance Armstrong?", fragt drauf der andere. Natürlich ist der Tour-de-France-Sieger nicht der einzige Amerikaner in Frankreich - aber fast.
2,14 Millionen US-Bürger übernachteten in den ersten fünf Monaten dort, wie aus Zahlen des Tourismusministeriums hervorgeht. Das ist ein Rückgang von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Schwund fällt mit der diplomatischen Krise zwischen Paris und Washington zusammen. In Deutschland übernachteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bis zum Mai 1,2 Millionen Amerikaner; ein Rückgang von 9,2 Prozent.
Doch auch nach Großbritannien, immerhin Mitglied der US-geführten Kriegskoalition, reisten zwölf Prozent weniger amerikanische Touristen. Katzenjammer herrscht auch in Italien (minus 20 Prozent), Spanien (minus 23 Prozent) oder Österreich. "Die Situation ist schlimmer als schlimm", sagt Christel Bauer, die an ihrem Wiener Souvenirshop Mozartkugeln und Stoffpüppchen verkauft. "Wir hatten gewöhnlich so viele Kunden, dass ich nicht mal ins Bad gehen konnte. Und jetzt? Sehen Sie irgendwelche Touristen?"
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