Leere
diese Geschichte wurde mal vor nem halben Jahr oder so anlässlich eines Schreibwettbewerbs in einem anderen Forum veröffentlicht. (c) bleibt natürlich bei mir und so:
Endlich war auch diese unnötige Veranstaltung zu ende. Ich verließ die Tagungsstädte, die nichts anderes war als eine Turnhalle, in die man eine paar Tische gestellt hatte, und wartete auf Ian. Er und ich waren beide von unserer Schule zu dieser Fortbildung zum Thema Gruppenarbeit geschickt worden. Da ich nicht wusste wie lang Ian noch brauchte suchte ich in meiner Jacke nach einer Packung Zigaretten. Frustriert stellte ich fest, dass diese Packung leer war. „Hey Ian, wurde auch langsam Zeit, dass du kommst. Ich wollte dich schon in diesem gammeligen Ort verrotten lassen und Alleine zurück nach Toronto fahren. – Hast du noch Kippen?“ – „Immer mit der Ruhe, Steve!“ sagte er und reichte mir seine Packung Marlboro Light. „Wer kam eigentlich auf die dämliche Idee, uns an einem Samstag in irgendeine vergammelte Kleinstadt zu schicken? Das Seminar hätte man doch auch in der Woche und in Toronto abhalten können. Außerdem bringt der Mist eh nix. – Ich unterrichte meine Schüler wie immer. Ich werde meine Methoden nicht ändern, nur weil irgendein bekloppter Wissenschaftler meint er wisse es besser.“ – „Lass uns losfahren bevor du noch hyperventilierst.“ Aber Ian hatte Recht, auf dieses Seminar hatte keiner von uns beiden Lust gehabt. Hinzukam dass wir für die Anreise über 250 Meilen fahren mussten.
„Okay!“ willigte Ian ein. „Aber lass und vorher noch was essen gehen, den Fraß beim Seminar konnte man ja vergessen.“ Da ich auch Hunger verspürte fuhren wir zu einem Schnellimbiss und aßen ein paar Burger. Die Jukebox spiele die ganze Zeit irgendwelche langweilige Songs aus den Siebzigern und der Laden war so dreckig wie die Leute – hauptsächlich Trucker – die hier drin verkehrten.
Nachdem wir gegessen hatten fuhren wir noch zu einer Tankstelle. Mittlerweile war es dunkel geworden. Während ich tankte und den Ölstand ablas kaufte Ian Getränke und Snacks aus dem zugehörigen Shop. Während ich mal wieder auf Ian wartete bemerkte ich, dass irgendwer die Radioantenne an meinem Auto abgebrochen hatte. „Na super, das wird ja eine lustige Heimfahrt!“ grummelte ich. „Was ist los?“ fragte mich Ian der gerade mit einer brauen Papiertüte aus dem Shop kam. „Irgendwelche scheiß Teenager haben die Antenne abgebrochen. Lass uns jetzt fahren sonst drehe ich noch durch in diesem verfluchten Ort!“ – „Ganz deiner Meinung – Auf geht die Fahrt!“.
Wir mussten 50 Meilen Landstraße fahren bis wir auf einen Highway treffen würden. Während ich fuhr und eine Dose des Kaffees trank, den Ian mitgebracht hatte, durchstöberte Ian das Handschuhfach und fand ein paar CDs. „Wow, Alanis Morissette, Bryan Adams – spielst du gerne mal den Klischee Kanadier?“ – „Die gab’s zum Autoradio dazu und seitdem liegen die da – aber da müsste auch noch eine CD von Sum 41 dabei sein. Guck mal ob du die findest und schieb die rein. Die ist ganz gut.“. Ian kramte noch ein bisschen, wobei zig Chipstüten zu Tage kamen und fand die CD schließlich.
Ich drehte das Radio voll auf und wir rasten durch die Nacht. Es stellte sich raus, dass auch Ian einen Großteil der Lieder kannte und so sangen wir lauthals mit als aus den Boxen „In Too Deep“ dröhnte.
Irgendwann kamen wir dann auf den Highway. Überraschender Weise waren nur sehr wenige Autos auf den Straßen. Dies hatte den Vorteil, dass ich Höchstgeschwindigkeit fahren konnte.
Mittlerweile war die CD schon zum fünften Mal durchgelaufen. Ian spiele mit den Gedanken doch noch die Alanis Morissette CD einzulegen, wovon ich ihn aber glücklicherweise abbringen konnte. Ich schaute auf die Wälder die links und rechts an uns vorbeisausten. Die Wälder weckten in mir die Erinnerungen and die vielen Waldspaziergänge die meine Eltern mit mir als Kind unternommen hatten. Plötzlich riss mich Ian aus meinen Gedanken. „Hey, pass auf, du musst langsamer fahren da vorne ist ein Stau!“. Gerade noch rechtzeitig trat ich auf die Bremse. „Scheiße, ich will jetzt nicht auch noch im Stau stehen“ schrie ich vor Wut in die Nacht. Ich spielte mit dem Gedanken umzudrehen und über weitere Landstraßen nach hause zu fahren, aber ein Blick in den Rückspiegel verriet mir, dass sich schon zwei Laster hinter uns platziert hatten. „Stört es dich wenn ich etwas penne?“ fragte mich Ian. Ich verneinte und Ian verstellte seine Lehne so, dass er gemütlich dösen konnte. Auch ich wurde langsam müde und nahm mir noch eine Dose des Kaffees, den Ian gekauft hatte. Kalter Kaffee schmeckt einfach widerlich, aber es war mir egal. Der Abend war ja eh schon versaut. Ich nahm die CD aus dem Player und packte sie wieder ins Handschuhfach. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es bereits kurz vor elf war. Irgendwie machte mich der Kaffee nur noch schläfriger. Nach einigem Überlegen machte ich es mir bequem und versuchte ebenfalls zu schlafen. Irgendwer würde schon hupen wenn es weiter geht.
Mein Hunger weckte mich. Ich sah auf die Uhr. Halb Zwei. Na Toll. Ich griff nach einer Chipstüte und öffnete diese. Während ich mich über die herrlich scharfen Chips hermachte sah ich nach draußen. Es sah verdächtig ruhig aus. Die Vorstellung, dass wirklich jeder in diesem Stau am schlafen war kam mir seltsam vor. Ich beschloss draußen zu gucken wenn ich meine Chipstüte leer hatte. Leise suchte ich meine Jacke. Plötzlich fiel mir ein, dass ich sie in den Kofferraum geschmissen hatte. Damit Ian mich nicht suche wenn er aufwachte schrieb ich einen Notizzettel für ich und klebt ihn ans Lenkrad. Als ich ausstieg grunzte Ian noch einmal auf als wolle er sich verabschieden. Leise machte ich die Tür zu. Es war wirklich etwas kalt draußen. Ich ging zum Kofferraum und holte meine Jacke heraus.
Langsam bahnte ich mir meinen Weg durch die parkenden Autos. Diese Stille machte mir Angst. Es war schwer aufgrund der Dunkelheit, die nur durch das Mondlicht etwas erhellt wurde etwas zu erkennen. Hier und da sah ich die Umrisse von Leuten die in ihren Autos schliefen. Nach etwa einer halben Meile bemerkte ich nur noch leere Autos um mich herum. Ich sah in einige Autos herein um mir wirklich sicher zu sein, dass keine Leute drin waren. Meine Nackenhaare stellten sich auf. Um mich selbst zu beruhigen, redete ich mir ein, dass die Leute bestimmt losgegangen waren um die Ursache des Staus zu erkunden – so wie ich es tat.
Ich fing an zu laufen und sah schließlich mehrere Blaulichter aus der Ferne. Dort würde ich bestimmt erfahren wann es voran gehen würde. Da meine Kondition auf Grund des Rauchens nicht gerade die beste war, verlangsamte ich mein Tempo. Ich war wirklich gespannt, was der Grund für unseren ungewollten Stopp war.
Endlich erreichte ich die Blaulichter, die wie ich feststellte zu 4 Streifenwagen gehörten, die quer auf der Straße standen. Wirklich gruselig war aber, dass auch hier niemand. Weder in den normalen Autos, noch in den Streifenwagen. Wo waren denn alle hin? Ich sah mich langsam um, aber ich konnte kein menschliches Wesen entdecken. Fast genauso verwunderlich war die Tatsache, dass hinter den Polizeiautos nichts war was diesen Stau hätte verursachen können. Die anderthalb Meilen lange Schlange aus Autos wurde nur von diesen dummen Polizeiautos verursacht. Was sollte das? Hatte man versucht einen entwischten Häftling oder so aufzuhalten oder so was in der Art? Das klang fast schon realistisch. Da war nur eine Sache die mir diese Illusion nahm: Wo zur Hölle waren die Menschen die zu diesen Autos gehörten? Menschen verschwinden nicht einfach so. Und schon gar nicht in einer so hohen Anzahl. Irgendwas hier war verdammt faul. Ein Schrei unterbrach meine Gedankengänge. Der Schrei kam aus der Ferne. Irgendwo am Stauende. In meine Angst mischte sich langsam Panik. Ich machte mich auf den Weg zurück zu meinem Wagen um Ian zu wecken und über alles in Kenntnis zu setzen. Während ich also zurück stiefelte lies ich die Ereignisse des Tages Revue passieren. Kann ein Samstag eigentlich blöder verlaufen? Wahrscheinlich nicht. Erst das Seminar, dann die abgebrochen Antenne und ein Stau der absolut verwirrend war.
Ich brauchte für den Rückweg fast zwanzig Minuten. Obwohl ich trotz meiner Gänsehaut gemütlichen Schrittes gegangen war, war ich ziemlich erschöpft als ich schließlich mein Auto erspähte. „Ian! Wach auf! Das ist so abgefahren, dass glaubst du nicht!“ rief ich während ich die letzten paar Meter zum Auto ging. Ich öffnete die Tür und wollte gerade Ian schütteln, damit er wach wurde, aber als das Licht in meinem Auto anging war da kein Ian den ich schütteln konnte. Am Lenkrad klebte noch immer mein Zettel. „Vielleicht sucht er nach mir und hat den Zettel nicht gesehen“ schoss es mir durch den Kopf. Aber meine Vernunft und die Tatsache, dass Ian so ziemlich die faulste Person war die ich kannte machten meine Hoffnung zunichte. Eine Eingebung brachte mich dazu mich umzuschauen. Die anderen Autos waren auch leer. Meine Angst stieg ins unermessliche als mir klar wurde, dass ich hier jetzt ganz alleine war.
Ich stand bestimmt fünf Minuten regungslos da. Langsam blickte ich zur Seite. Waren das die Lichter einer Stadt, die ich dort durch den Wald erspähte? Ja, sicher ist da vorne eine Stadt. Kurz entschlossen ging ich wieder zu meinem Auto und holte eine Taschenlampe aus dem Kofferraum. Ich schloss mein Auto ab und ging in Richtung Leitplanke. Dahinter ging es steil herunter. Nach kurzer Abwägung kletterte ich über die Leitplanke. Langsam kletterte ich die Böschung runter und hielt mich an jedem Baum fest, den ich erreichen konnte.
Ich war froh als es ich endlich unten war und auf ebenem Boden stand. Von irgendwo her hörte ich Grillen zirpten. Langsam machte ich mich auf den Weg, den Blick immer auf die Lichter in der Ferne gerichtet.
Nach etwa 15 Minuten Fußmarsch hörte ich ein Geräusch. Ich blieb stehen und versuchte das Geräusch zu zuordnen. Das Geräusch kam von irgendwo hinter mir. War das ein Motor? Aber ich hatte doch keine Straße überquert. Vielleicht war ja doch noch jemand auf dem Highway. Ich rannte zurück. Plötzlich stolperte ich über einen Ast und viel der Länge nach hin. Als ich wieder aufstand sah ich zwei Scheinwerfern entgegen. Ich war total konfus. Hier war Wald – hier würde kein Auto durchpassen – das war schlichtweg unmöglich. Die Scheinwerfer kamen immer näher und das Motorengeräusch wurde lauter…
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