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..::House & Techno und andere Genres des Dance::..
Erklärungen der einzelnen Genres sind unten in gleicher Reihenfolge aufgeführt. Dance »01. Ambient »02. Bossa Nova »03. Disco »04. Drum'n'Bass »05. Dub »06. EBM »07. Electroclash »08. Flamenco »09. Funk »10. Gabber »11. Go Go »12. Goa - Goa-Trance - Psy-Trance - Progressive »13. Hi-NRG »14. House »15. Italo-Disco »16. Jungle »17. Leftfield »18. Trance ---------------------------------------------------------------------------- Dance »01. Ambient Ambient ist alles was dahinklimpert, dahinrauscht, dahingleitet; Ambient ist elektronische Meditationsmusik! Die Zutaten: Zeit und Ruhe (Entspannung geht auch), höherwertige Soundmaschinen, Keyboardflächen, einen Joint und so etwas ähnliches wie ein Thema oder eine Melodie. Die Zubereitung: Die vorhandene Zeit behutsam mit den restlichen Zutaten vermengen, und dabei auf einen sich langsam entwickelnden Spannungsverlauf achten. Am besten gelingt´s, wenn man jeder Zutat die Chance gibt, sich zu entfalten. Die besten Köche: Brian Eno, The Orb, John Hassell, Harold Budd, Howie B. und Hector Zazou. Übrigens: Brian Eno (der früher bei Roxy Music war) hat anno 1974 die Musik und den Begriff Ambient mit AMBIENT 1 "Music for Airports" erfunden. »02. Bossa Nova Bossa Nova und Brasilien läßt sich nicht trennen. Liebenswürdig und lebensbejahend melodiös sounden die Harmonien. Aus Cool Jazz und Samba Anfang der 60er entstanden, gelangte die neue Richtung durch Charlie Byrd, neben Antonio Carlos Jobim und Joao Gilberto einer der Wegbereiter, nach Nordamerika. Abtanzen konnte man darauf kaum. Durch Schrittfolgen, abgedruckt in zahlreichen Zeitschriften, stand dem brasilianischen Bossa Nova Ideal samt passenden US-amerikanischen Steps dann nichts mehr im Weg. Denn Bossa Nova war nicht nur Musikstil, sondern Lebenseinstellung zugleich. Und bekanntlich breitete sie sich aus wie ein Lauffeuer. Die Welle legte sich Mitte der 60er, ganz verebbt ist sie jedoch nie. Bis heute zitieren Musiker wie Gilberto Gil Melodien und Rhythmen. Übrig geblieben sind darüber hinaus Evergreens wie Jobims "Girl from Ipanema" mit Astrud Gilberto oder der "One Note Samba", die Jazzer wie Al Jarreau ebenso wie Popmusiker rund um den Globus immer wieder aufgriffen. »03. Disco Disco heißt dumpf-dumpf-dumpf. Dumpf drummt der Drummer nach dem immer gleichen Metronomtakt im Kopfhörer. Dumpf sind die Texte. Dance. Dance. Dance ist Ziel und Zweck. Dumpf geslapt wird der Bass mit dem Daumen. Sphärisch schweben orchestrale Keyboards darüber. Disko. Dumpf Way. Zappas Disco-Boy ist stellvertretend für den Prototyp eines ganzen Jahrzehnts. Längst out sind D-Boys schneeweiße Glitzeranzüge mit ausladenden Hosenbeinen. Der Titanic-artige Untergang traf die Szene komplett, so um das Jahr 1980. Ein riesiges Reservoir rarer Grooves versank. Heute sampeln DJs wieder immer öfter, immer mehr den Stampf von Mister Night-Fever John Travolta, Santa Esmeralda, Shalamar und Herbie Mann und Donna Summer. »04. Drum'n'Bass Drum'n'Bass ist das neueste Jungle-Derivat, wiederum aus London: Angejazzt und um ein paar Beats pro Minute reduziert, erlaubt diese neue Version auch ungeübten Ohren Zugang. Schwerpunkt ist altbewährtes: gewirbeltes Schlagwerk und geschleifte Bassloops. Die Wiege liegt im Londoner 'Blue Note', Residenz der Metalheadz um Labelgründer Goldie und DJ-Gottvater Grooverider. Im gleichen Maße wie Drum'n'Bass 1996 die Massentauglichkeit erreicht und zum verkaufsträchtigen Label mutiert, differenziert sich die Szene: Neben einer unüberschaubaren Menge von Weichspülproduktionen erkunden Distorsionisten wie Dillinja und Ed Rush die dunkle Seite der Macht. Man spricht jetzt von Darkness oder Hardstep. In Deutschland hat die Drum'n'Bass Szene ihre Zentren in Mannheim, Köln und Berlin. Die deutschen Produktionen wirken jedoch oft zu "verkopft" und lassen den Kick der stärker am Floor orientierten englischen Tracks noch vermissen. »05. Dub ...ist moderner, clubtauglicher, elektronischer Space-Reggae!!! Noch Fragen? Die Urväter des heutigen Dub sind Lee "Scratch" Perry und Linton Kwesi Johnson, die bereits in den 70ern andeuteten, was heute in aller Munde ist. Damals fand man auf der B-Seite der Reggae-Singles den A-Seiten-Song ohne Gesang. Was wiederum die MC´s auf Jamaika dazu veranlaßte, live zur Platte zu toasten bzw. Ragamuffin-Lines darüber zu setzen. Daraufhin gingen sie erneut in´s Studio, um neue Mixe mit viel Hall und Delay aufzunehmen. Das ist die Geburtsstunde des Remixens (Dub ist im Grunde also eine Remix-technik). UB 40 trieb das Ganze mit ihrem 81er Album "present Arms" auf die Spitze, indem sie eine zweite Version des Albums aufnahmen: "present Arms in Dub". ...und Mad Professor gilt als Dub-Größe, der für Massive Attack einige Remixe abgeliefert hat. »06. EBM Neben triefend fettigen Pommes im Baguette und Bier mit einem nicht zu leugnenden Beigeschmack von Kirsche überraschte unser Nachbarland Belgien die Musikfans Mitte der 80er Jahre mit einer weiteren kulturgeschichtlichen Neuerung. Während es sich bei oben genannten Spezialitäten um Freuden des Gaumens im weitesten Sinne handelt, war EBM oder Electronic Body Music dazu angetan den akustischen Sinn zu erfreuen. Inspirieren ließen sich die belgischen Köche von Front 242 unter anderem von stark elektronischem Industrial im Stile von Cabaret Voltaire oder auch Throbbing Gristle sowie von minimalistisch synthetisch gehaltenen NDW Songs, allen voran natürlich DAFs "Mussolini", der als so etwas wie der Prototyp des neuen Stils gelten darf. Dementsprechend setzen auch Front 242 ausschließlich auf Synthesizer, die den Beat der Stunde angaben. Straight four-to-the-floor hieß das Motto, angereichert mit fetten Sequenzerbässen und treibenden Melodien, verfeinert mit ein bisschen, oft bis zur Unverständlichkeit verzerrtem Gesang. Ähnlich martialisch wie die Musik war auch das Outfit: Springerstiefel, dunkles Leder oder Camouflage, schwarze Sonnenbrillen trugen Front 242 schnell den Ruf ein, im faschistischen Lager zuhause zu sein, und sorgten für billige Promotion unter anderem in der Bravo. Doch das Sensationsgehabe verflog schnell, was bleibt sind Hits wie "Headhunter" oder "No Shuffle", die auch heute noch den Dancefloor zum Brodeln bringen. Wurden in unseren Breiten die meisten EBM Bands wie Dive, Nitzer Ebb oder Klinik zu Beginn der 90er im weiter gefassteren Genre Dark Wave verbucht und EBM somit der Historie überantwortet, so hielt man in den USA von Anbeginn an nicht viel von Electronic Body Music als Genre. Mit amerikanischem Pragmatismus wurde Industrial als Metalabel für alles was sich nach Krach anhört etabliert. Das deckte dann das gesamte Spektrum von den hitparadentauglichen Ministry oder Nine Inch Nails über die kanadischen Elektro-Lärmmacher von Skinny Puppy bis Front 242 oder den Noise-Pionieren Whitehouse ab. In den 90ern tauchten dann einzelne EBM-Bands im Technokontext wieder auf, was bei der hohen Affinität von EBM zum synthetischen Dancefloorklängen auch nicht weiter verwunderlich ist. Front 242 ließen sich von Underworld remixen oder spielten mit großem Erfolg auf Raves und bewiesen den Techno-Kids, dass man schon in den 80ern zu Tanzen wusste. »07. Electroclash Unglaubliche zwei Millionen US-Dollar lässt es sich das britische Kultlabel Ministry Of Sound im Jahr 2002 kosten, um das Debütalbum der Band Fischerspooner zu lizenzieren. Die New Yorker haben zwar außer einem Clubhit ("Emerge") und Auftritten vor maximal hundert Zuschauern wenig vorzuweisen, gehören aber untrennbar zu den Protagonisten einer neuen Hipster-Szene-Bewegung: Electroclash. In zahlreichen europäischen Metropolen ist das Phänomen längst kein unbekanntes mehr und erobert die Lieblingsclubs und Kleiderschränke der Kids im Sturm. Musik und Mode sind die zu gleichen Teilen stilbildenden Ingredienzien des neuen Genres, das ursprünglich im Herbst 2001 von DJ und Clubbetreiber Larry Tee als Slogan für eine Festivalreihe in New York ersonnen wurde. Renommierte Printmedien wie Rolling Stone, The Face und der Village Voice tragen die neue Wortkreation jedoch ungefragt in die weite Welt hinaus, wo sie als neuer Jugend-Lifestyle zur Landung ansetzt. Flugs gelten die Namen der auf dem "Electroclash"-Festival 2001 neben Fischerspooner aufgetretenen Bands wie Chicks On Speed, Peaches, Adult oder Crossover als Pioniere des neu entdeckten Genres. Allen gemeinsam ist ein ausgeprägtes, alten Glamrock-Tagen nicht fernes Style-Interesse, das Mode sowie Kunst beinhaltet und sich in teilweise bizarren Live-Performances widerspiegelt. Auf musikalischem Gebiet verrät bereits der Name, dass Elektronik die Grundlage allen Tuns ist: 80er Jahre Synthie Pop und Italo Disco, aber auch Elemente des New Wave sind unter dem Banner Electroclash willkommen, solange es nur auf eine moderne Weise rockt. Auffällig dabei ist die respektlose, nicht selten amateurhafte und minimalistische Annäherung an die Klangerzeugung, die Ähnlichkeiten mit dem Do-It-Yourself-Geist des Punk herauf beschwört. Statt steriler Perfektion ist denn auch die Trash-Attitüde König: Glamour, Posing, Haarspray, Schminke, Sonnenbrille, Nietengürtel, Sex meets C64, Vocoder, Neonlicht und Roboter-Romantik. Je schriller, desto besser - Ohne den richtigen Look geht nichts. Dazu gehört in hohem Maße die Kunst: Während Fischerspooner ihre Liveauftritte statt in verrauchten Clubs in sauberen New Yorker Galerien absolvieren, hat sich das Münchner Trio Chicks On Speed gleich auf der Kunstakademie kennen gelernt. Bei ihren Liveauftritten tragen die drei Girls ausschließlich selbst angefertigte Bühnen-Outfits, zu ihren spektakulärsten Kunstentwürfen zählt das "Boob Monster", eine Gummipuppe aus lauter Brüsten. Auftritte bei den Weimarer Kulturhauptstadttagen 1999 und das Engagement Karl Lagerfelds als Cover-Fotograf unterstreichen die gewachsene Szene-Relevanz der Chicks. Der Modezar selbst ist dem neuen Trend ebenfalls nicht abgeneigt und holt sich das belgische Synthie-Duo Vive La Fête als Live-Act zu seiner Chanel-Präsentation. Referenzen an alte Helden sind im Coolness-Koordinatensystem natürlich willkommen: So behaupten My Robot Friend in einem ihrer Songs ganz frech "We Are The Pet Shop Boys", Miss Kittins "1982" huldigt in Wort und Ton einigen Elektro-Kapellen des besagten Jahrgangs und Ladytron benennen ihre Band nach einem Song von Roxy Music, den offensiv dekadenten Style-Ikonen der 70er Jahre. Das mit Electroclash einhergehende 80er Jahre-Revival holt mit Soft Cell, The Human League, Fad Gadget und DAF auch einige Heroen von damals ins Aufnahmestudio und auf die Bühnen zurück. »08. Flamenco Am Anfang war der Schrei. Ay! Die Unterdrückung der Gitanos, der Zigeuner im multi-kulturellen Schmelztiegel Andalusien erforderte neues Wort für ihre Rhythmen, Lieder, Tänze. Ende des 18. Jahrhunderts war in Spaniens Süden Schluß mit dem Wort Zigeunermusik: Flamenco war geboren. Ay! Der Ausdruck des Schmerzes, der Sehnsucht blieb. Typisch ist die Sologitarre, die Solostimme oder der Solotänzer, der Kontakt mit Neuem. Ay! Den Durchbruch des Flamenco schaffte bei uns Sauras Film Carmen. Der Gitarrist, der dort auf einem Hocker sitzend seine Gitarre flambiert ist kein Andalusier, kein Zigeuner aber Spanier: Paco de Lucia. Eingefleischten Flamencofans sträubten sich die Haare. Flamenco ohne jubelndes Publikum, ohne kurze Zwischenrufe, ohne Interaktion mit dem Zuhörer. Das war zuviel. Darum: Flamenco entwickelt sein volles Potential nur in Gesellschaft. Ay! »09. Funk Funk...ist schwarz, eckig und tanzbar. Ursprünglich ist Funk die akustische Reflexion schwarzer Mentalität. "It´s funky". In der Umgangssprache entwickelt sich der Begriff in den 60ern zum Modewort für alles was unverfälschten Pfiff hat. In den 70ern etabliert sich Funk als Musikalischer Stil und treibt verschiedene Blüten: Funk-Rock, Funk-Jazz, P-Funk, Fusion, Free Funk etc. Daran sind die Headhunters, James Brown (sex machine), George Clinton und die Average White Band nicht ganz unbeteiligt. Ab jetzt dürfen auch Weiße funky sein, wie Mitte der 80er etwa Level 42. Getragen wird das Ganze vom dominanten Baß, auf dem sich schließlich eine eigene Spieltechnik entwickelt: das slappen. Die Saiten werden nicht mehr gezupft, sondern mit dem Daumen hart angeschlagen, auch anreißen ist erlaubt (Level 42 hören!). Dazu gesellen sich scharfe Bläsersätze, und eine äußerst rhythmische Gitarre. Hörtips: 70er: George Clinton, Headhunters 80er: Tower of Power, Level 42 90er: Me´shell N´degeocello »10. Gabber War Techno in den Ohren vieler Leute nicht viel mehr als ein bloßes bum-bum-bum-bum, so setzte Gabber (Gabba) dem Ganzen noch einen drauf. Die bpm's wurden hochgefahren bis über die 250 bpm hinaus, die Bassdrum in den Vordergrund gestellt und sämtlicher Schnick-Schnack, wie Handclaps, Hi Hat, Snare Drum, Vocals und Melodie auf ein Minimum reduziert. Gabber ist schnell, finster, kaputt. Kein Wunder, entsprang Gabber doch vor allem der Hooligan-Szene von Feyenoord Rotterdam, die damit einen Gegenpol zum 'schicken' House-Sound aus Amsterdam etablierten. DJ's wie Paul Elstak auf seinem Label 'Rotterdam Records' machten den harten Ableger von Techno Anfang der 90er schnell groß in den Niederlanden und infizierten bald auch das Ausland mit dem Hardcore-Virus. DJ Hooligan ballerte den deutschen Gabber-Freaks die Beats um die Ohren und schaffte es mit seinen Tracks Mitte der 90er sogar bis in die Spitzen der Hitparade. Von Berlin aus schickt Alec Empires Label 'Digital Hardcore Recordings' seinen Krach in alle Welt. Die kompromisslose und aggressive Attitüde von Gabber öffnete vielen Heavy Metal-Freaks und Punks die Tür zu elektronischer Musik. Im Gegensatz zu Techno kultivierte die Hardcore-Szene stets ihren Proll-Charakter: Hass und Zerstörung statt Love und Peace. Die offene Einstellung gegenüber neuen Einflüssen zeichnete jedoch auch Gabber, wie alle anderen Technoableger, aus. Und so entstanden eine Reihe weiterer Subgenres wie Gangsta Hardcore, der Hip-Hop-Einflüsse aufnahm oder Speedcore, der durch seine gesampelten Gitarrenriffs die Nähe zum Speedmetal erkennen ließ. Daneben erweiterten Happy Hardcore, Trancecore, Noisecore, Terrorcore das Genre. »11. Go Go Go Go Musik entstand fast zeitgleich mit Rap. Bands wie Arkade Funk, Trouble Funk, Tilt, Sweat brachten afrikanische Trommeln, Chuck Brown & the Soul Searchers und P-Funk unter einen Hut. Hervor kam eine harte, ungerundet rauhe, ehrliche Musik ohne Pausen. Trommeln, Trommeln, stundenlang, bis wir fast der Trance verfallen. Viel Rhythmus, Soulstimme, Raps, knochentrockene tiefe Keyboards und geslapter Bass erzeugen hörbar tanzbare Takte fürs Volk. Damit der Drummer durchhält gabs gleich mehrere, die sich während des Konzerts ablösten. George Clinton läßt grüßen. Heute kräht leider kein Hahn mehr danach... »12. Goa "Eine Goa-Party ist nicht einfach eine Disco unter Kokospalmen, sie ist eine Initiation" (aus dem Film "Liquid Crystal Vision"). Wie der Name schon vermuten lässt, liegen die Wurzeln von Goa an der westlichen Küste des indischen Subkontinents im gleichnamigen Bundesstaat. In der ehemaligen portugiesischen Kolonie haben seit den späten 70ern immer mehr Hippies und Aussteiger unter Palmen am Strand eine zweite Heimat gefunden. Ließ die schwülwarme Hitze des Tages schon den Gang von der Hängematte aufs Töpfchen zu einer schweißtreibenden Angelegenheit werden, so waren die lauen Nächte am Strand doch bestens dafür geschaffen, die Partyvibes zu stimulieren. Pilze, LSD und der ein oder andere Joint verhalfen dem Spaßfaktor notfalls zusätzlich auf die Sprünge. Im Mondschein wurde zu den Klängen von Grateful Dead, The Doors, Pink Floyd, Neil Young und ähnlich vertripten Sounds die ersten Goa-Parties gefeiert. Mitte der 80er waren es vor allem europäische DJs, die verstärkt Disco, EBM, NDW und Eurodance spielten und Goa eine starke elektronische Note verliehen, die heute zu ihrem Markenzeichen geworden ist. Der internationale Mix an DJs sicherte von Beginn an den Crossover: Reggae, klassische indische Musik, Rock, Fusion, japanische und südamerikanische Klänge befruchten sich bis heute gegenseitig. Fred Disko, Goa Gil und Ray Castle etablierten in den 80ern Goa als alternatives Partyreiseland. Extrem wichtig für die Entstehung der Goa-Kultur ist dabei der DJ Goa Gil, ein mittlerweile über 50jähriger Hippie aus San Francisco, der in Indien lebt und anerkannter Sadhu (Holy Man) ist. Seine Sets dauern nicht selten zwischen 12 und 24 Stunden! Nach dem Summer of Love und der Acid-House Welle wurde Goa in den 90ern zunehmend elektronischer und von DJs wie Sven Väth oder Paul Oakenfold in Europa und den USA popularisiert. Musikalisch zeichnen sich Goa-Stücke durch einen beständigen 4-to-the-floor-Beat aus, der mit einer groovenden Basslinie das Fundament bildet. Darauf werden dann allerlei Hooklines, Melodien, Flächen und eine Unmenge blubbernder, zirpender, zischender und knarzender Sounds gelegt, die die durch Drogen gefilterte Wahrnehmung zum Abflug einladen. Diese Vielschichtigkeit und das gleichzeitige Miteinander mehrerer musikalischer Ebenen ist das hauptsächliche Unterscheidungsmerkmal des Goa zu anderen elektronischen Musikarten. Zusätzlich ist die Auswahl der Sounds im Goa-Kontext immer irgendwie warm (ähnlich im House), im Gegensatz zu den kühlen Maschinenklängen des Techno. Das Genre hat sich derweil in diverse Subgenres aufgesplittet, die sich, wenn auch marginal und oft nicht trennscharf, voneinander unterscheiden: Goa-Trance: Mittlerweile auch als Oldschool bezeichnet, ist die Spielart, die vor allem in den Neunzigern populär war. Sie zeichnet sich durch eine umfassende Verwendung von vielschichtigen Acid-Loops, Soundlayers und Melodien aus (oft unter Zuhilfenahme der berühmten Drum-Machine Roland TB 303 und den Synthesizer-Sounds gleicher Marke). Repräsentative Bands sind Har-el Prussky, Astral Projection, Transwave, Etnica, Spirallianz und California Sunshine. Im Oldschool folgt der Rhythmus dem reinen 4-to-the-Floor-Diktat, während sich in moderneren Spielarten auch Breakbeats einschleichen, um dem Rhythmus mehr Drive und Groove zu verleihen. Psy-Trance, Psychedelic Trance: Die eher technoid anmutende Fortführung des Goa-Trance, die nicht zuletzt durch verbesserte Produktions-Techniken und kraftvollere Soundsystems auf Partys Ende der Neunziger aufkommt. Sie zeichnet sich durch fettere Kicks und massivere Basslinien aus, welche dem ganzen Sound vor allem im Tieftonbereich mehr Dynamik und Groove verleihen. Psy-Trance wird auch als "Full-On" bezeichnet, da es sprichwörtlich über den Dancefloor fegt. Hier sind vor allem israelische Acts wie Astrix, Infected Mushroom oder Vahel aktiv, aber auch Künstler anderer Länder wie Talamasca und GMS (Growling Mad Scientists) lassen es ordentlich krachen. In Israel ist Trance- und Psy-Trance-Mucke extrem populär. Sie ist in den "normalen" Charts zu finden und Acts wie Infected Mushroom spielen vor mehreren 10.000 Leuten. Zusätzlich ist die Partyszene und -organisation in Indien und Thailand fest in israelischer Hand. Progressive: Entsteht ebenfalls um die Jahrtausendwende. Ähnlich wie Psy-Trance pumpt der Bass fett und groovig. Im Mittel- und Hochfrequenzbereich ist Progressive deutlich reduzierter. Hier sind keine oder nur sehr selten Loops oder Melodien zu finden. Die Sounds reduzieren sich auf kleine Knarzer, Knackser, Bleeps und dergleichen, welche in minimalistischer Weise verzerrt und verändert werden. Mehr Wert wird auf intelligente Rhythmus-Variationen gelegt. Insgesamt gilt das Motto "Weniger = Mehr". Hauptsächlich skandinavische Acts wie Sonkite, Atmos oder S-Range sind hier aktiv. Der Tradition der Hippies folgend, herrscht auf Goa-Partys eine sehr friedliebende, herzliche und respektvolle Atmosphäre. Bewusstseinserweiterung, Liebe, künstlerische und psychische Selbsterfüllung und eine kritische Haltung gegenüber einer leistungsorientierten Gesellschaft kennzeichnen die Goa-Fraggles. Musikalisch sind, im Gegensatz zu anderen Arten elektronischer Tanzmusik, die Einflüsse der psychedelischen Musik der 60er/70er Jahre stark zu spüren. In diesem Sinne stellt die Goa-Szene die legitime Nachfolge der Hippie-Kultur dar. Goa-Partys finden, sofern jahreszeitlich möglich, sehr gerne in der freien Natur (Wald, Wiesen, Seen bzw. Strand und Palmen) statt und sind nicht nur musikalisch, sondern auch optisch eine Reise in eine andere Welt: farbenfrohe, häufig UV-Licht-aktive Dekoration mit psychedelischen Motiven auf denen Märchenlandschaften (inklusive Feen, Zwergen und Pilzen) oder Mondlandschaften und Alien-Motive dargestellt sind. 3-D Installationen und andere Visuals ergänzen den optischen Trip. Durch die Verbreitung des Goa-Sounds in den Clubs der alten Welt beklagen viele Ur-Goa-Freaks das "Fehlen des Spirits", die Kommerzialisierung der Partys und der Musik sowie die zu einseitige Fokussierung auf Drogen und Party. Aber solche Diskussionen werden allerorts geführt - früher war halt schon immer alles besser. »13. Hi-NRG Hi-NRG oder die Rückkehr des Disco. Kaum war Disco in den späten 70ern nach dem Ausverkauf des einstigen Undergroundphänomens durch Filme wie Saturday Night Fever zum Unwort verkommen, schauten sich die dem Dancefloor verschworenen Produzenten nach einem neuen Schlagwort für tanzbare, elektronische Musik um. Als die beiden Produzenten Ian Levine und Fiachra Trench für Evelyn Thomas den Song "High Energy" schrieben war Disco wieder hoffähig, nur hieß er jetzt Hi-NRG. Zwar war der Sound unter dem Einfluss von New Wave, frühen House-Tracks und neuer Produktionstechnologien (Sampler, Sequenzer etc.) deutlicher auf seine tanzbaren Elemente reduziert worden. Die Zielgruppe war jedoch weiterhin der Underground, der sich seit den späten 60ern um die Danceclubs in Metropolen wie Chicago, New York oder London formierte. Mitte der 80er Jahre gelang Hi-NRG dann der Sprung in die Hitparaden durch Songs wie "You Spin Me Round (Like A Record)" von Dead Or Alive, Miquel Brown's "So Many Men, So Little Time", Shannon's "Let The Music Play" oder den diversen Projekten des Produzenten Bobby O., wie zum Beispiel The Flirts oder Divine (die anfangs noch unter dem Label 'Italo-Disco' ihr zuhause gefunden hatten). Während die Ursprünge von Hi-NRG zweifellos in den USA liegen, konnten auch einige deutsche Acts wie C.C. Catch oder Modern Talking internationales Aufsehen erregen. In den 90ern entwickelten Jam & Spoon, Culture Beat oder Two Unlimited aus den populären Dancesounds der voran gegangenen Dekade ihren eigenen Hitparadenmix und verhalfen Hi-NRG, nun unter dem Label Eurodance, zu neuen Chartehren. »14. House Nach dem Discofieber in den späten 70er Jahren, das John Travolta und Donna Summer zu Weltstars machte, musste sich Clubmusik bis zum Aufkommen von Hi-NRG und House erst ein mal vom großen Hype und dem sich anschließenden Ausverkauf erholen. Und so wurde Dancemusic zu einer Angelegenheit der Minderheiten: Schwarze und Schwule fanden in den Clubs den Freiraum sich auszuleben, der ihnen im Alltag all zu oft verwehrt wurde. Der Club wurde zu ihrem Treffpunkt und die Musik dort sollte nur eines: tanzbar sein. Dem Discosound entliehen wurde ein einfaches Grundgerüst: ein 4/4-Takt mit einer Geschwindigkeit um die 120 bpm (beats per minute), was ungefähr der Herzfrequenz der Tänzer entspricht; eine Snare-Drum oder Handclaps auf der 2 und 4; zwischen jedem Beat zischt das Hi Hat. Abgerundet wird alles durch eine spacige Melodie und zumeist ein eingängiges Vocalsample. Frankie Knuckles und Marshall Jefferson waren die Pioniere der neuen Tanzmusik nach Disco. In Chicago legten sie im Schwulenclub Warehouse ihre tanzbare Mischung aus Disco-Scheiben und schnörkelloseren Euro-Importen auf und veröffentlichten auf Trax und DJ International die ersten House-Scheiben. Etwa zeitgleich begann auch in der New Yorker Paradise Garage die schwule Szene zu den neuen Beats zu tanzen. Doch während man in Chicago den Rhythmus in den Vordergrund stellte, zeichnete sich der New Yorker-House-Sound (Garage) durch seine Nähe zum Soul und Gospelvocals aus. Ab Mitte der 80er setzte dann der große House-Boom ein, als ein neuer Synthesizer (der Roland 303) spacig-verzwirbelte Geräusche zum festen Bestandteil von House werden ließ und die Vocals gleichzeitig immer mehr in den Hintergrund traten. Acid-House war geboren und die netten Smilies grinsten einem spätestens nach dem Summer of Love '87 überall entgegen. M/A/R/R/S und S'Express führten House an die Spitzen der Hitparaden bis mit der Weiterentwicklung hin zum härteren Techno-Sound der House-Stern zu sinken begann. Zunächst noch als Überbegriff für elektronische Tanzmusik verwendet, wurde House in den 90ern zu einer Bezeichnung für ein Subgenre von Techno. Seit Mitte der 90er belebt House den Dancefloor wieder: mal als Tech-House oder Minimal-House à la Isolee oder als funkige Variante in Daft Punks wegweisendem Longplayer "Homework" von 1997. »15. Italo-Disco Italo-Disco, der Name lässt es schon vermuten, hat seine Wurzeln zwischen Südtirol und Sizilien, genauer gesagt im norditalienischen Städtchen Brescia unweit des Lago di Garda, wo Mauro Farina das Licht der Welt erblickt. Einige Jahre später trifft der musikverrückte Farina dann im Pianisten Giuliano Crivellente auf sein kreatives Gegenstück und zusammen gründen sie 1981 ihr Label S.A.I.F.A.M.. Als kurz danach der Toningenieur Sandro Oliva das Trio komplettiert, ist die Zeit reif für Italo-Disco. Inspirieren lässt sich das Trio von den amerikanischen Hi-NRG-Sounds der amerikanischen Produzenten Bobby Orlando (Divine, The Flirts) und Patrick Cowley, auf den Bands wie die Pet Shop Boys und New Order gerne ihre Anfänge zurückführen. Synthetischer Disco-Funk und leicht eingängige Vocalbegleitung lautet das Erfolgsrezept seit Donna Summer den ersten Discoboom auslöste. Bei Bobby O. und Patrick Cowley funktioniert es erneut und auch Farina und Co. können sich auf den Drive des Erfolgscocktails verlassen. "Hey Hey Guy" von Ken Lazlo wird der erste Riesenerfolg des Trios und lässt Italo-Disco zum Topseller avancieren. Dass die meisten der Stars nur als Models auf dem Plattencover posieren oder bei Live-Auftritten ums Mikrofon tänzeln, stört niemand. Die Musik zählt und so kann Manuel Stefano Carry, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Den Harrow, Mitte der 80er zu einem der Superstars des Italodance aufsteigen ohne jemals eine Zeile eingesungen zu haben. Auch die unangefochtenen (nimmt man die Charterfolge als Maßstab) Superstars des Italo-Disco, Radiorama, sind ein Produkt der Marina/Crivellente-Connection, die sich nicht zuletzt aufgrund ihres Labels Time Records so etwas wie ein Monopol auf Italo-Disco erarbeiten können. In Deutschland ist es vor allem das Independent-Label ZYX, das die heimischen DJs mit Futter für ihre Plattenteller versorgt. Zu sinken beginnt der Italo-Disco-Stern, als groovende Housebeats und schrilles Accciiiid-Geschrei ein neues Dance-Zeitalter anbrechen lassen, das die Füße auf dem Dancefloor mit einer vorher nicht gekannten Härte und Kompromisslosigkeit auf und ab hüpfen lassen. Doch was die Tanzenden seinerzeit beglückte, kann heute nicht so falsch sein: so schmuggelt sich in DJ Hells Plattenkiste immer wieder das ein oder andere Italo-Disco Stück. Auch Gigi D’Agostino flirtet ganz ungeniert mit dem Elekro-Pop der 80er und schafft es damit bis in die Charts. Bleibt abzuwarten, wer das nächste Kapitel in der Italo-Disco-Chronologie schreibt. »16. Jungle Duke Ellington swingte als erster im Jungle. Sein Ziel war orchestraler Sound, der klingt wie ein Dschungel. Hin- und Hergerissen zwischen Urwald und Urbanität macht sich Anfang der Neunziger großstädtische Hektik im Londoner Jungle breit. Rasante, rückwärts laufende Jazz-Drum-Patterns, Hip-Hop Drum Loops, raufgepitchte Reggae-Grooves und Ragga Vocals bestimmen mit 140-160 Beats per Minute den bisher schnellsten Rhythmus aus England. Das Zeitalter des Wassermanns schlägt zu. Tanzbar? Fans sind der Meinung: Super! Groovt wie keine andere Musik. »17. Leftfield Leftfielder kennen keine Grenzen. Von Funk über Soul zu Hip-Hop und House. A One, Bonjour Monsieur Basie und Charlene Smith mixen alles, von allem etwas, am liebsten aber Jazz-Soul-Funky-HipHop-Swingin Bits zu jazziggeilem Bass unter fft-fft-fiepsenden Sounds. Zusammengesampelt verfolgen sie ein Ziel - Tanzbare Takte. Wenns sein muß, ganz nach dem Motto: Darf's noch ein bisschen mehr Pitch sein?! |
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»18. Trance
Trotz aller Versuche von Technopuristen, Trance als Genre die Lebensberechtigung abzusprechen, hat sich selbiger als Bezeichnung für poppigen, melodiebeladenen Techno durchgesetzt. Dass Trance im ursprünglichen Sinne einen Zustand bezeichnet, der vor allem durch Repetition erreicht werden kann, ist seit dem Beginn elektronischer Popmusik ein offenes Geheimnis: "The soul of the machines has always been part of our music. Trance always belongs to repetition, and everybody is looking for trance in life. (?) So the machines produce an absolutely perfect trance." (Ralf Hütter, 1991, in: Kraftwerk: Man Machine and Music by Pascal Bussy). Trance als eigener Stil entstand zu Beginn der 90er Jahre, als sich die noch junge Techno-Bewegung in eine "Immer schneller"- und eine "Mehr Melodie"-Fraktion aufspaltete. Vom ursprünglichen Techno wurde das straighte Rhythmusgerüst übernommen, das Tempo aber bei rund 130 bpm belassen. Darauf bauten dann die melodischen Flächen auf und wurden durch Samples und Vocals zusätzlich aufgepeppt. Pionier des neuen Stils in Deutschland war neben Sven Väth, der mit seinem 93er Longplayer "Accident In Paradise" Maßstäbe setzte, der Berliner Cosmic Baby, dessen Album "Stellar Supreme", als Meilenstein gilt. Während sich die Berliner Szene aber mehr dem härteren Detroit-Techno zuwandte, machte Väth in seinem Club 'Omen' die trancigen Klänge populär. Auf der Insel war es vor allem Paul Oakenfold, der England zur vielleicht größten Trance-Hochburg in Europa machte. Als erstklassiger Partysound sicherte sich Trance seinen Anteil an der Technobewegung und ist heute nicht mehr aus der Genrevielfalt wegzudenken. Von den eher poppigen Stücken Paul Van Dyks bis hin zu progressivem oder Goa-Trance wird alles geboten, um die frühen Morgenstunden auf einem Rave zum sinnlichen Erlebnis werden zu lassen. |
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